
Wenn Liebe schweigt
Was sein Rückzug wirklich bedeutet – und wie du bei dir bleibst
Wenn ein Mann sich zurückzieht, obwohl Gefühle da sind, löst das bei vielen Frauen einen tiefen inneren Alarm aus. Seine Stille fühlt sich an wie Verlust, Unsicherheit, ein plötzliches Wegbrechen von Verbindung. Der Verstand sucht nach Erklärungen. Das Herz sucht nach Halt. Und oft entsteht die Frage: Was habe ich falsch gemacht?
Doch sein Rückzug ist nicht automatisch eine Ablehnung. Und er ist auch nicht automatisch ein Zeichen von Liebe.
Er ist in erster Linie eines: Ein Ausdruck seines inneren Umgangs mit Nähe.
Rückzug bedeutet Überforderung, aber nicht Verantwortungslosigkeit
Ja, es stimmt: Viele Männer ziehen sich zurück, wenn Nähe etwas in ihnen berührt, das sie selbst nicht halten können. Alte Ängste, ungelebte Gefühle, innere Unsicherheit. Nicht, weil du zu wenig bist und auch nicht zwingend, weil du „zu viel“ bist, sondern weil ihr Nervensystem Nähe nicht als Sicherheit gespeichert hat.
Doch hier ist eine wichtige Unterscheidung, die heute klar sein darf: Verständnis erklärt ein Verhalten, aber es verpflichtet dich nicht, es zu tragen. Sein innerer Prozess ist real. Aber er ist seiner.
Nähe aktiviert Tiefe – und manchmal auch Vermeidung
Echte Nähe bedeutet nicht nur, dem anderen zu begegnen. Sie bedeutet auch, sich selbst zu begegnen. Für Menschen, die emotionale Intimität nie als sicher erlebt haben, kann genau das überfordernd sein. Wenn ein Mann sich zurückzieht, kann das bedeuten:
- Er fühlt sich innerlich entblösst
- Er weiss nicht, wie er präsent bleiben soll
- Er verliert den Zugang zu sich selbst
- Er reguliert sich über Distanz
Das erklärt sein Schweigen. Es macht es nachvollziehbar, aber: Es macht ihn nicht automatisch bindungsfähig.
Wo es für dich kritisch wird
Für dich als Frau ist dieser Rückzug schmerzhaft. Nicht nur wegen ihm, sondern weil er alte Wunden in dir berührt. Vielleicht kennst du Gedanken wie:
- Bin ich zu viel?
- Muss ich geduldiger sein?
- Wenn ich ihn nur besser verstehe, bleibt er vielleicht?
Hier liegt die eigentliche Einladung dieses Moments. Nicht, ihn zu retten. Nicht, zu warten. Nicht, dich zurückzunehmen, sondern zu fragen: Was passiert gerade in mir?
Von der Erklärung zur Selbstanbindung
Dieser Moment lädt dich ein, zu dir zurückzukehren. Aus Selbstachtung.
Du darfst erkennen:
- Sein Rückzug sagt etwas über seine Kapazität aus
- Nicht über deinen Wert
- Nicht über deine Liebenswürdigkeit
Und du darfst gleichzeitig ehrlich hinschauen:
- Fühle ich mich in dieser Dynamik sicher?
- Werde ich genährt oder halte ich aus?
- Bleibe ich, weil Liebe da ist, oder weil Hoffnung da ist?
Das ist kein Urteil. Das ist Bewusstheit.
Projektionen erkennen, ohne dich zu verlieren
Manchmal halten wir an jemandem fest, nicht wegen dem, was er lebt, sondern wegen dem, was wir in ihm sehen.
Vielleicht:
- den Retter
- den Vater
- den Seelenpartner
- den, der endlich bleibt
Diese Projektionen sind menschlich. Aber sie binden uns an Möglichkeiten statt an Realität. Reife bedeutet: Liebe dort zu erkennen, wo sie gelebt wird, nicht dort, wo sie nur gefühlt oder erhofft wird.
Spirituelle Tiefe, ohne Selbstverrat
Ja, sein Rückzug kann ein inneres Tor öffnen. Aber nicht, um dich zu verlieren, sondern um bei dir anzukommen. Spirituelles Wachstum nach Trauma bedeutet nicht:
- alles zu verstehen
- alles zu halten
- alles zu vergeben
Sondern: Dich selbst nicht mehr zu verlassen. Du darfst Mitgefühl haben und du darfst Grenzen setzen. Beides schliesst sich nicht aus.
Eine reife Wahrheit
Vielleicht steht er an einer Schwelle. Vielleicht geht er hindurch. Vielleicht auch nicht. Das liegt nicht in deiner Macht. Was in deiner Macht liegt:
- bei dir zu bleiben
- dich nicht zu verbiegen
- nicht auf Liebe zu warten, die nicht verfügbar ist
- dich selbst ernst zu nehmen
Du musst nicht stehen bleiben, nur weil jemand anderes noch nicht gereift ist.
Wähle dich, ohne Härte
Wenn Liebe schweigt, ist das keine Aufforderung, dich kleiner zu machen. Es ist eine Einladung, klarer zu werden. Du sollst weitergehen, wachsen und dich entfalten. Nicht gegen ihn, sondern für dich.
Denn du verdienst eine Liebe, die präsent ist. verantwortlich und erreichbar. Und vor allem: eine Liebe, in der du dich nicht selbst verlierst. Du verdienst eine bewusste, klare, reife Liebe. Doch bevor sie im Aussen erscheint, darf sie in dir selbst erwachen.
Dein nächster Schritt
Wenn du dich in diesem Text erkennst und lernen möchtest,
- bei dir zu bleiben, auch wenn Nähe unsicher wird
- klare Grenzen zu setzen, ohne dich zu verhärten
- alte Verlust- und Ablehnungsängste zu integrieren
- Beziehung aus innerer Sicherheit zu leben
dann begleite ich dich gern.
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Herzlich
Sara
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