Vielleicht kennst du diese Fragen:
Warum gerate ich immer wieder an dieselben Menschen? Warum ziehe ich emotional nicht verfügbare Menschen oder sogar Narzissten an? Warum wiederholen sich meine Beziehungsmuster, obwohl ich längst verstanden habe, woher sie kommen?
Viele Menschen glauben irgendwann, sie hätten einfach Pech in der Liebe. Sie hoffen darauf, endlich den richtigen Menschen zu treffen, und dann werde alles anders.
Doch was, wenn Beziehungen nicht einfach Glück oder Pech sind? Was, wenn sie einer inneren Ordnung folgen? Und was, wenn die Beziehung, die du zu dir selbst hast, die unsichtbare Vorlage für die Beziehungen ist, die du im Aussen lebst?
Doch bevor wir überhaupt über Selbstliebe und Eigenverantwortung sprechen, ist mir etwas ganz wesentlich:
Wir können zunächst überhaupt nichts dafür, wie unsere Beziehung zu uns selbst geworden ist.
Kein Kind kommt auf die Welt und entscheidet sich dafür, sich selbst abzulehnen, seinen eigenen Gefühlen nicht zu vertrauen, seine Bedürfnisse zu unterdrücken oder sich für falsch zu halten.
Wir wurden in Beziehung dazu gemacht.
Unsere Beziehung zu uns selbst entstand durch die Beziehungen, in denen wir aufgewachsen sind. Dadurch, wie mit unseren Gefühlen umgegangen wurde. Ob unsere Bedürfnisse Raum hatten. Ob unsere Lebendigkeit willkommen war. Ob wir mit unserer Trauer, unserer Angst, unserer Wut und unserer Verletzlichkeit gehalten wurden. Und ob unsere Liebe beantwortet wurde.
Als Kinder hatten wir keine Wahl. Wir waren auf Bindung angewiesen. Wenn wir uns also anpassen, Gefühle unterdrücken oder Teile unseres Wesens zurückhalten mussten, um Zugehörigkeit und Beziehung nicht zu gefährden, dann haben wir genau das getan.
Wir haben uns nicht selbst verlassen, weil mit uns etwas nicht stimmte. Wir haben gelernt, uns selbst zu verlassen, weil wir die Beziehung zu den Menschen nicht verlieren durften, von denen wir abhängig waren.
Und genau daraus kann später jene Beziehung zu uns selbst entstehen, mit der wir als Erwachsene durchs Leben gehen.
Die gute Nachricht ist: Was in Beziehung entstanden ist, kann sich auch in Beziehung wieder verändern.
Und genau darum geht es in diesem Artikel.
Die wichtigste Beziehung deines Lebens
Die Beziehung zu dir selbst bestimmt, wie du mit dir umgehst. Sie beeinflusst, wie wichtig du dich nimmst, wie sicher du dich in dieser Welt fühlst, wie du mit deinen Gefühlen umgehst und welche Behandlung du von anderen Menschen akzeptierst.
Sie zeigt sich darin, ob du Grenzen setzt. Ob du Nein sagst, wenn du Nein fühlst. Ob du dir selbst zuhörst. Ob du deine Wahrheit aussprichst oder dich anpasst, weil du Angst hast, einen anderen Menschen zu verlieren.
Und vor allem zeigt sie sich in einer entscheidenden Frage:
Bleibst du bei dir oder verlässt du dich selbst, um die Beziehung zu einem anderen Menschen aufrechtzuerhalten?
Diese Beziehung zu uns selbst entsteht sehr früh. Wir lernen als Kinder nicht nur, wie Beziehung zu anderen funktioniert. Wir lernen auch, wie wir mit uns selbst umgehen.
Wir beginnen uns so zu behandeln, wie unsere wichtigsten Bezugspersonen uns behandelt haben. Und lassen wir uns später sogar vom Leben und von anderen Menschen auf eine Weise behandeln, die uns aus unserer Kindheit bereits vertraut ist.
Wie wir unser Gefühlsspektrum verkleinern
Wir kommen als offene, fühlende Wesen auf die Welt. Für mich ist ein Kind zunächst in einer ganz ursprünglichen, bedingungslosen Liebe. Und ich glaube, jeder, der einmal ein Baby oder ein kleines Kind wirklich betrachtet hat, kann etwas davon wahrnehmen: Da ist etwas Reines, Unmittelbares, vielleicht sogar etwas Heiliges.
Ein Kind besitzt ein enormes emotionales Spektrum. Es kann höchste Liebe und Verbundenheit erleben, vollkommen aufgehen in Freude, Nähe, Lebendigkeit und Begeisterung.
Doch gerade weil ein Kind so offen liebt und gleichzeitig vollkommen abhängig von seinen Bezugspersonen ist, kann es auch unglaublich tief verletzt werden. Wenn seine Liebe enttäuscht wird, wenn seine elementaren Bedürfnisse nach Nähe, Sicherheit, Schutz und Gesehenwerden nicht erfüllt werden, entstehen auf der anderen Seite ebenso intensive Gefühle: tiefe Trauer, Angst, Verzweiflung, Wut und manchmal sogar Hass.
Für mich gehören beide Seiten zusammen. Die tiefe Trauer erzählt auch davon, wie tief die Liebe war. Die Wut erzählt davon, dass etwas Wesentliches verletzt wurde. Die Angst erzählt davon, wie existenziell Bindung für ein Kind ist.
Deshalb teile ich Gefühle heute nicht mehr in positiv und negativ ein. Sie gehören zu unserem gesamten menschlichen Gefühlsspektrum.
Stell dir dieses Gefühlsspektrum wie einen riesigen inneren Raum vor.
Als Kind könnten wir uns grundsätzlich durch diesen ganzen Raum bewegen. Von tiefer Liebe, Freude und Lebendigkeit bis hin zu Trauer, Angst, Verzweiflung, Wut und Hass.
Doch wir werden in ein Umfeld hineingeboren, in dem unsere Eltern und Bezugspersonen meistens selbst nur einen Teil dieses Raumes bewohnen und halten können. Auch ihr Gefühlsspektrum wurde bereits eingeschränkt. Auch sie haben gelernt, bestimmte Gefühle nicht zu fühlen, nicht zu zeigen oder möglichst schnell wieder zu verlassen.
Wenn ein Kind tief traurig ist, kann diese Trauer die ungefühlte Trauer der Mutter oder des Vaters berühren. Wenn ein Kind wütend ist, kann es mit einer Wut konfrontieren, die vielleicht schon seit Generationen keinen Raum haben durfte. Wenn ein Kind Angst hat, kann diese Angst die eigene verdrängte Angst der Eltern berühren.
Aber auch die bedingungslose Liebe, Offenheit, Wildheit und Lebendigkeit eines Kindes kann Erwachsene mit etwas konfrontieren, das sie selbst verloren haben. Vielleicht erinnert das Kind sie daran, wie frei sie einmal waren, wie intensiv sie einmal gefühlt haben und wie offen ihr eigenes Herz einmal war. Es berührt damit möglicherweise ihre eigenen abgespaltenen Anteile.
Das bedeutet nicht, dass Eltern ihr Kind bewusst begrenzen wollen. Oft können sie schlicht nicht halten, was sie in sich selbst nicht halten können.
Also muss das Gefühl des Kindes aufhören
Und so versuchen Erwachsene häufig, das Gefühl beim Kind zu stoppen.
„Jetzt hör auf zu weinen.“
„Du musst doch keine Angst haben.“
„Sei nicht so wütend.“
„Jetzt ist aber fertig lustig.“
„Das Leben ist kein Zuckerschlecken.“
Vielleicht wurde man beschämt, ignoriert oder bestraft. Vielleicht wurde sofort abgelenkt oder erklärt, warum man dieses Gefühl überhaupt nicht haben müsste. Manchmal genügte schon ein Blick, ein Rückzug oder eine Veränderung in der Stimmung, damit das Kind verstand:
So darf ich hier nicht sein.
Ein Kind kann in diesem Moment nicht sagen: Ihr könnt mein ganzes Wesen und mein ganzes Gefühlsspektrum nicht halten, aber ich bleibe trotzdem vollständig bei mir.
Dafür ist es viel zu abhängig. Es braucht Beziehung, Zugehörigkeit, Schutz und Bindung.
Also passt es sich an.
Wir verlassen uns selbst, um die Bindung nicht zu verlieren
Das Kind beginnt, sein eigenes Gefühlsspektrum auf das Spektrum der Menschen zu verkleinern, von denen es abhängig ist.
Wenn deine tiefe Trauer keinen Raum hatte, lernst du, sie nicht mehr vollständig zu fühlen. Wenn deine Wut abgelehnt wurde, hältst du sie zurück. Wenn deine Angst zu viel war, beginnst du sie zu kontrollieren. Wenn deine Verletzlichkeit nicht gehalten wurde, wirst du vielleicht hart.
Aber wir spalten nicht nur die sogenannten unangenehmen Gefühle ab.
Wenn deine Lebendigkeit störte, machst du dich kleiner. Wenn deine Freude zu laut war, wirst du leiser. Wenn deine Begeisterung belächelt wurde, hältst du sie zurück. Und wenn deine grosse Liebe und Offenheit immer wieder enttäuscht wurden, beginnst du vielleicht irgendwann, auch dein Herz zu schützen.
Wir verlassen damit nach und nach genau die inneren Räume, in denen früher niemand mit uns bleiben konnte.
Und darin liegt für mich eine der tiefsten Verletzungen überhaupt: Wir wurden nicht in unserem ganzen Wesen und in unserer ganzen Liebesfähigkeit gesehen und gehalten.
Nicht unsere Gefühle waren zu gross. Der Raum um uns herum war zu klein, um unser ganzes Wesen darin willkommen zu heissen.
Wir reduzieren nicht nur unseren Schmerz. Wir reduzieren unser Leben
Wenn wir unser Gefühlsspektrum verkleinern, verschwinden diese Gefühle nicht einfach. Wir lernen vielmehr, bestimmte innere Räume nicht mehr zu betreten.
Wir funktionieren. Wir kontrollieren. Wir passen uns an. Wir werden vernünftig und leistungsfähig. Nach aussen kann unser Leben sogar sehr gut aussehen.
Aber ein Teil unserer ursprünglichen Lebendigkeit bleibt ausserhalb dessen, was wir uns selbst zu fühlen erlauben.
Denn wenn wir unsere Wut abschneiden, verlieren wir auch einen Teil unserer Kraft. Wenn wir tiefe Trauer vermeiden, schützen wir uns möglicherweise gleichzeitig davor, wieder tief zu lieben. Wenn wir Verletzlichkeit nicht zulassen, wird wirkliche Intimität schwierig. Und wenn wir gelernt haben, uns kleinzumachen, können auch Freude, Lust und Lebendigkeit nicht mehr vollkommen frei fliessen.
Genau diese verlassenen inneren Räume begegnen uns später wieder. Und besonders deutlich geschieht das in Beziehungen.
Warum bestimmte Menschen so starke Gefühle in uns auslösen
Manchmal tritt ein Mensch in unser Leben und plötzlich fühlen wir in einer Intensität, die wir kaum verstehen können.
Eine unglaubliche Liebe kann entstehen und gleichzeitig eine Verlustangst, die sich existenziell anfühlt. Ein Rückzug des anderen löst nicht einfach Enttäuschung aus, sondern Panik. Eine Zurückweisung berührt eine Verlassenheit, die viel grösser ist als das, was gerade im Aussen geschieht.
Gerade intensive Liebesbeziehungen können uns deshalb mit beidem gleichzeitig verbinden: mit einer unglaublichen Liebesfähigkeit und mit einem Schmerz, von dem wir vielleicht gar nicht wussten, wie tief er in uns liegt.
Eine Beziehung mit einem stark vermeidenden oder narzisstischen Menschen kann dabei nicht nur durch das aktuelle Verhalten verletzen. Sie kann gleichzeitig alte Verlustängste, Ohnmacht, Sehnsucht und Erfahrungen aus der Kindheit aktivieren.
Und genau deshalb reicht es häufig nicht, ein Beziehungsmuster nur intellektuell zu verstehen.
Du kannst genau wissen, woher deine Verlustangst kommt. Du kannst deine Kindheit analysiert und Bücher über Bindung gelesen haben. Und trotzdem reagiert dein gesamtes System, sobald ein Mensch sich entzieht.
Denn diese Muster leben nicht nur in unserem Denken. Sie zeigen sich in unseren Gefühlen, in unserem Körper und in der Art, wie wir Beziehung erleben.
Warum sich Beziehungsmuster wiederholen
Als Kinder versuchen wir häufig, emotional nicht verfügbare oder selbst traumatisierte Eltern irgendwie zu erreichen.
Unbewusst kann die Hoffnung entstehen:
Wenn ich nur richtig bin, wenn ich mich genug anpasse, wenn ich genug gebe, dann bekomme ich vielleicht endlich die Liebe, die ich brauche.
Aber ein Kind konnte seine Eltern nicht retten. Das war niemals seine Aufgabe.
Trotzdem kann genau dieser Versuch später in Liebesbeziehungen wieder auftauchen. Wir begegnen erneut einem Menschen, den wir erreichen, retten oder verändern möchten.
Vielleicht wird er diesmal verfügbar. Vielleicht erkennt er diesmal meinen Wert. Vielleicht liebt er mich diesmal so, wie ich bin.
Ein alter Anteil versucht damit, eine Geschichte zu einem anderen Ende zu bringen, die damals nicht gelöst werden konnte. Und so werden genau die alten Gefühle wieder aktiviert.
Heilung bedeutet, den ganzen inneren Raum zurückzuerobern
Heute glaube ich nicht mehr, dass Heilung bedeutet, irgendwann keine Angst, keine Wut, keine Trauer und keine Verletzlichkeit mehr zu fühlen.
Für mich ist das Gegenteil wahr.
Heilung bedeutet, wieder mehr fühlen zu können, ohne uns dabei selbst zu verlieren.
Es bedeutet, dorthin zurückzugehen, wo wir uns einmal verlassen mussten. Die Trauer wieder zu fühlen, die keinen Raum hatte. Die Wut wieder zuzulassen, die nicht erwünscht war. Die Angst halten zu lernen, vor der vielleicht schon Generationen vor uns davongelaufen sind.
Und gleichzeitig geht es darum, auch die andere Seite zurückzuholen: unsere Freude, unsere Lust, unsere Wildheit, unsere Begeisterung, unsere tiefe Verbundenheit und unsere Fähigkeit, mit offenem Herzen zu lieben.
Denn wir holen nicht einfach einzelne Gefühle zurück.
Wir holen Teile von uns selbst zurück.
Für mich ist das die eigentliche Bedeutung von Integration. Abgespaltene Anteile dürfen wieder Teil unseres bewussten Erlebens werden. Unsere Seele darf wieder vollständiger in unserem Körper ankommen.
Je weniger wir von uns selbst abspalten müssen, desto vollständiger können wir da sein. Und desto vollständiger können wir auch einem anderen Menschen begegnen.
Die Beziehung zu dir verändert, wen du attraktiv findest
Wenn du beginnst, diese abgespaltenen Anteile und Gefühle zunehmend zu integrieren, verändert sich etwas Entscheidendes: Du brauchst nicht mehr dieselben Menschen, damit diese alten Gefühle immer wieder aktiviert werden.
Und irgendwann kann sich sogar deine Anziehung verändern.
Menschen, die emotional verfügbar sind und wirklich lieben können, wirken plötzlich nicht mehr langweilig. Drama verliert seine Faszination. Das ständige Wechselspiel zwischen Nähe und Distanz fühlt sich irgendwann nicht mehr aufregend an, sondern einfach nur anstrengend.
Ich kenne diese Veränderung aus meinem eigenen Leben. Früher konnte sich Drama für mich wie Spannung und Lebendigkeit anfühlen. Heute wünsche ich mir Ruhe und Beständigkeit.
Früher machte mir die Vorstellung Angst, einen anderen Menschen zu verlieren.
Heute macht mir etwas anderes viel mehr Angst:
mich selbst in einer Beziehung wieder zu verlieren.
Für mich ist genau das Entwicklung.
Auch das, was du tolerierst, verändert sich
Je tiefer deine Beziehung zu dir selbst wird, desto mehr verändert sich auch das, was du in Beziehungen tolerierst.
Du spürst schneller, wenn etwas für dich nicht stimmt. Du setzt andere Grenzen. Du kommunizierst anders. Du triffst andere Entscheidungen. Du sagst vielleicht Nein, wo du früher aus Angst vor Verlust Ja gesagt hättest.
Und gleichzeitig verändert sich deine Fähigkeit, Liebe anzunehmen.
Wenn du dir selbst immer mehr vermitteln kannst: Ich sehe dich. Ich höre dich. Ich bin für dich da. Ich verlasse dich nicht, dann wird es zunehmend schwieriger, eine Beziehung aufrechtzuerhalten, in der ein anderer Mensch dauerhaft das Gegenteil tut.
Nicht jede Beziehung wird mit dieser Entwicklung mitwachsen. Manche Menschen kommen näher, wenn du authentischer wirst. Andere entfernen sich, wenn du dich nicht mehr anpasst.
Beides darf sein. Entscheidend ist, dass du bei dir bleibst.
Du brauchst keinen Menschen mehr, der dich rettet
Eine tiefe Beziehung zu dir selbst bedeutet für mich nicht, dass du niemanden mehr brauchst.
Wir sind Beziehungswesen. Wir brauchen andere Menschen. Wir brauchen Freundschaften, Verbindung, Berührung, Gemeinschaft und sichere Beziehungserfahrungen. Gerade Bindungsverletzungen können durch neue Erfahrungen in verlässlichen Beziehungen verändert werden.
Und ich glaube, dass es für diesen tiefen Weg zurück zu uns selbst Begleitung braucht. Damit meine ich ausdrücklich nicht eine neue Partnerbeziehung. Es können Freundschaften, therapeutische oder professionelle Begleitung und andere sichere Beziehungen sein. Wenn wir beginnen, abgespaltene Anteile wieder zu integrieren und Gefühle zuzulassen, die wir früher nicht halten konnten, brauchen wir Menschen, die uns darin begleiten. Wir müssen nicht wieder allein durch das hindurchgehen, womit wir ursprünglich allein gelassen wurden.
Eine Partnerbeziehung ist etwas anderes. Es macht einen Unterschied, ob ich einem Menschen begegne, weil ich mein Leben mit ihm teilen möchte, oder ob ich ihn brauche, damit er etwas in mir füllt, das ich selbst nicht fühlen kann.
Dann können sich zwei Menschen begegnen, die sich lieben und brauchen dürfen, ohne sich gegenseitig retten zu müssen.
Eine erfüllende Partnerschaft wird dadurch nicht weniger wichtig. Sie kann etwas unglaublich Schönes sein.
Aber sie wird zu einer Bereicherung unseres Lebens und nicht zur Voraussetzung dafür, dass wir uns selbst vollständig fühlen.
Für mich kommt Liebe letztlich aus einer tieferen, göttlichen Quelle. Ein anderer Mensch kann diese Liebe zu uns tragen und sie uns spiegeln. Doch wenn wir glauben, dieser Mensch selbst sei die Quelle unserer Liebe, entsteht Abhängigkeit.
Veränderung entsteht nicht durch positives Denken
Deshalb glaube ich auch nicht, dass wir unser Beziehungsleben allein durch positives Denken oder Manifestieren verändern.
Es reicht nicht, sich jeden Morgen vor den Spiegel zu stellen und zu sagen: „Ich liebe mich.“
Die entscheidende Frage zeigt sich dann, wenn es schwierig wird.
Kannst du bei dir bleiben?
Kannst du deine Angst fühlen, ohne dich dafür abzulehnen? Kannst du deine Wut wahrnehmen und ihre Botschaft ernst nehmen? Kannst du deine Trauer halten? Kannst du Nein sagen, obwohl du riskierst, dass jemand enttäuscht ist? Kannst du deine Wahrheit aussprechen, obwohl du nicht weisst, wie der andere darauf reagieren wird?
Dort beginnt sich die Beziehung zu dir wirklich zu verändern.
Du handelst nicht mehr automatisch aus alten Überlebensmechanismen. Du setzt andere Grenzen, tolerierst andere Dinge und triffst andere Entscheidungen.
Und dadurch entstehen andere Beziehungen.
Wo verlässt du dich heute noch?
Vielleicht ist deshalb nicht die wichtigste Frage:
Warum ziehe ich immer wieder die falschen Menschen an?
Vielleicht lautet die viel entscheidendere Frage:
Wo verlasse ich mich heute noch selbst?
Wo passe ich mich an, obwohl etwas in mir Nein sagt? Wo suche ich Bestätigung? Wo halte ich mich zurück? Wo mache ich mich kleiner? Wo habe ich Angst, mich wirklich zu zeigen? Und wo hoffe ich noch darauf, dass mir ein anderer Mensch etwas gibt, das ich in mir selbst verloren habe?
Beobachte dich dabei nicht mit Verurteilung. Diese Muster sind nicht entstanden, weil mit dir etwas falsch war. Sie waren einmal Möglichkeiten, Bindung aufrechtzuerhalten und in deinem damaligen Umfeld zurechtzukommen.
Aber heute darfst du etwas Neues lernen:
Ich bleibe mir zugewandt, egal, was ist.
Mit meiner Angst, meiner Trauer und meiner Wut. Mit meiner Freude, meiner Liebe und meiner ganzen Lebendigkeit.
Vielleicht ist genau das Ganzwerden: wieder den ganzen inneren Raum unseres Menschseins bewohnen zu können.
Nicht nur die angenehmen Zimmer, sondern das ganze Haus.
Und genau hier beginnt für mich jede wirklich erfüllende Beziehung.
Nicht in dem Moment, in dem endlich der richtige Mensch auftaucht, sondern in dem Moment, in dem du aufhörst, dich selbst innerlich zu verlassen.
Wenn du spürst, dass du dich nicht länger verlieren möchtest
Vielleicht hast du deine Beziehungsmuster längst verstanden. Vielleicht weisst du, woher deine Verlustangst kommt, warum du dich anpasst oder weshalb dich bestimmte Menschen so stark anziehen. Und trotzdem merkst du, dass das Wissen allein noch nichts Grundlegendes verändert hat.
Dann geht es vielleicht nicht darum, noch mehr zu verstehen.
Vielleicht geht es darum, die Beziehung zu dir dort neu aufzubauen, wo du dich einmal verlassen musstest.
Genau darum geht es in meiner Arbeit und in meiner Begleitung «Die Beziehung zu dir». Nicht nur Beziehungsmuster zu verstehen, sondern wieder Zugang zu deinem ganzen Gefühlsspektrum zu bekommen, abgespaltene Anteile zu integrieren und immer tiefer bei dir selbst anzukommen.
Denn je tiefer du mit dir verbunden bist, desto weniger musst du dich selbst verlassen, um geliebt zu werden.
Wenn du spürst, dass du diesen Weg nicht mehr allein gehen möchtest, kannst du dich gerne für ein kostenloses Gespräch bei mir melden. Gemeinsam schauen wir, wo du gerade stehst und ob meine Begleitung für dich der richtige nächste Schritt ist.
Die Beziehung zu dir ist der Beginn von allem ❤️
Herzlich
Sara
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