In diesem Blogartikel werden folgende Fragen beleuchtet:

  • Was ist Erwachen / Erleuchtung?
  • Woran erkenne ich, dass ich erwacht bin?
  • Kann ich etwas tun, um zu erwachen?
  • Transzendenzerfahrungen und die darauffolgenden Schatten
  • Anhaltendes Aufwachen und Vertiefung

Der Ruf nach dem Erwachen begann bei mir vor ca. 12 Jahren, als ich immer mehr diese starke Sehnsucht nach der allumfassenden Liebe fühlte. Aufgrund schwieriger Lebenssituationen und Erfahrungen kam mir die Welt kalt vor. Ich fragte mich, wieso ich mich so anstrengen, kämpfen und leiden musste. Ich fühlte mich gefangen in meinem Leben und in dieser Welt. Ich las dann viele Bücher, besuchte viele Workshops, machte Ausbildungen, besuchte spirituelle Lehrer und erleuchtete Meister in Europa.

Die Suche lief lange Zeit vor allem im Aussen ab. Ich suchte mein Glück in der Beziehung, im finanziellen Erfolg und in verschiedenen äusseren Aktivitäten. Das Erwachen schien mir lange Zeit eine unerreichbare Sache zu sein.

Was ist Erwachen / Erleuchtung?

Das Erwachen ist für mich vergleichbar mit dem Klartraum. Im Klartraum ist man sich bewusst, dass man gerade am Träumen ist. Wie im Kleinen, so im Grossen – und so steht auch das Leben und die ganze Welt für einen Traum, der gerade geträumt wird. Die interessante Frage ist hier nur: Wer träumt diesen Traum?

Wenn wir erwacht sind, wissen wir, wer wir sind.

Die meisten denken, dass wir eine Persönlichkeit mit speziellen Fähigkeiten und Eigenschaften sind. Wenn wir aber glauben, dass wir eine Persönlichkeit, der Körper, unsere Gedanken und Gefühle sind, dann macht uns das sehr verletzlich auf dieser Welt. Es geht darum, sich zu erinnern, dass wir nicht unser Körper, nicht unsere Gefühle und Gedanken sind. Wir sind das, was stetig da ist, was nicht vergänglich ist in uns. Gefühle und Gedanken kommen und gehen, sind also nicht stetig.

Wir sind auch nicht unser Körper. Wenn ich einen Teil davon abschneide, bin ich immer noch da. Sind wir dann vielleicht das Gehirn oder das Herz? Da gibt es viele empirische Untersuchungen von Nahtoderfahrungen, die das widerlegen. Viele Menschen, die für tot erklärt wurden, konnten genau beschreiben, was im Raum passiert ist, was der Arzt gesagt hat und sie beobachteten das ganze Geschehen von oben herab. Sie sahen ihren eigenen Körper und sahen sogar, was auf den oberen Regalen lag, wo sie vom Körper aus unmöglich hinsehen konnten. Wir sind also das, was wahrnimmt. Wer hat von der Decke aus geschaut? Es ist das Bewusstsein.

Wir sind also reines Bewusstsein, das uns in unserem Körper wahrnimmt. Dieses Bewusstsein ist Teil des grossen Bewusstseins, oder des grossen Geistes, wie die Indianer es so schön nennen. Wir sind dieses grosse Bewusstsein. Dieses gleiche Bewusstsein nimmt sich auch im Körper von anderen Menschen wahr. So sind wir in Wahrheit alle eins.

Wir sind in Wirklichkeit also keinen Körper in dieser Welt, der schauen muss, dass er überlebt und möglichst seinen Teil von dieser Welt abkriegen kann, sondern wir sind Bewusstsein. In diesem Bewusstsein und in „Allem, was ist“, findet die Welt statt und auf dieser Welt ist auch irgendwo unser Körper. Aus dieser Perspektive ist es unmöglich, ein Opfer zu sein oder zu leiden. Ein Opfer werden wir erst, sobald wir uns als getrennt wahrnehmen.

Ein Baby ist noch komplett frei von diesem Trennungsgedanken. Es hat Gefühle, die kommen und gehen. Es bewertet nicht. Es leidet nicht. Erst ab 2 Jahren wird die Persönlichkeit durch Prägungen von aussen geformt. Es entstehen Glaubenssätze wie: „Ich kann das nicht. Ich bin eine separate Person. Das kann ich nicht haben.“ etc. Es entsteht das Ego. Und es ist das Ziel, davon wieder frei zu werden.

Das Ego glaubt in Kontrolle zu sein. Es ist überzeugt davon, der Handelnde zu sein, Entscheidungen zu treffen und einen freien Willen zu haben. Es ist jedoch das Bewusstsein, das dies alles tut. Jeder Mensch reagiert auf die Dinge abhängig von der eigenen Konditionierung, Erziehung und Vergangenheit. Die Entscheidungen sind vorgeprägt. Das Leben geschieht durch uns. Die Gefühle und Gedanken kommen und gehen. Wir können sie nicht alle kontrollieren. Wir haben die Wahl, ob wir uns auf sie einlassen oder nicht. Wenn dies erkannt wurde, kommen wir nicht mehr in die Gedankenschleife, dass die Dinge auf eine Weise sein sollten oder dass etwas richtig oder falsch ist.

Woran erkenne ich, dass ich erwacht bin?

Erwachen bedeutet das Ende des Leidens. Da ist keine Anhaftung mehr. Ich tue weiterhin die Dinge, die ich tue, so als ob ich einen freien Willen hätte. Ich gebe weiterhin mein Bestes, aber ich hafte nicht mehr an einem Ergebnis an. Das Leben geschieht durch mich ohne Erwartung. Es gibt keine fixen, dringlichen Ziele mehr. Es gibt jedoch Wünsche und Visionen, die ich verfolge, dies jedoch anhaftungsfrei. Egal, ob es sich erfüllt oder nicht, bin ich glücklich, denn ich weiss nicht, was das Leben mit mir vorhat. Es besteht das tiefe Vertrauen, dass alles Sinn macht, genauso wie es ist.

Erwachen geschieht auf verschiedenste Weisen. Meistens ist es nicht der grosse Flash mit Lichterscheinungen und Engeln, auch wenn das von vielen Heiligen so beschrieben wird. Erlebnisse der Ekstase und der absoluten Glückseligkeit sind Gipfelerfahrungen, die gemacht werden können, die jedoch bei den meisten Erwachten nicht von Dauer sind. Beständiger sind die Talerlebnisse. In der Stille erkennt man, dass man immer mehr bei sich ist, bei dem, was man wirklich ist. So ist man auch verbunden mit dem wertfreien Beobachter.

Meine Erfahrung

Das Erwachen geschah bei mir durch eine spontane Kundalini-Erweckung. Die ersten drei Monate waren geprägt von einem Zustand der allumfassenden Liebe, Glückseligkeit, innerem Wissen, Zeitlosigkeit, stark erhöhter Lebensenergie und einigen Siddhis. Nach 3 bis 6 Monaten begann dieser Erleuchtungszustand aber an Intensität zu verlieren und ich spürte, dass ich diesen Zustand nicht halten konnte. Dieser ganze Prozess ging einher mit einer unerfüllten Seelenpartner-Liebe (die sich als Lernpartnerschaft oder besser gesagt als „Ego-Burner“ erwies). Bedrohliche Gefühle kamen immer stärker hoch. Es kam ein Schmerz hoch, der so stark war, dass ich glaubte, daran sterben zu müssen, wenn ich ihn zulassen würde. 11 Monate nach der Erweckung war ich in der tiefsten dunklen Nacht der Seele. Diese Zeit des intensiven Schmerzes dauerte etwa 1.5 Jahre. Es war eine Zeit der Reinigung, Heilung und Erneuerung. Danach tat sich nach und nach eine grosse Zufriedenheit im Hintergrund auf. Ich bemerkte dann, dass es kein Leiden mehr gab, kaum mehr Anhaftung. Ich war auf einmal glücklich ohne all das, was ich einmal glaubte so dringend zu brauchen. Ich fand eine grosse Kraft, eine Ruhe, Leichtigkeit, Sicherheit und tiefes Vertrauen in mir.

Erwachen findet oft auch ohne Wow-Effekt statt

Viele Menschen haben Erwachenserlebnisse und einige bemerken es nicht einmal. Es ist daran zu erkennen, dass sich die Haltung, wie man die Welt sieht, verändert hat. Man bewertet nicht mehr. Man lebt in Hingabe und Vertrauen. Es ändert sich tatsächlich sehr viel, doch es muss nicht den grossen Wow-Effekt haben. Nicht bei allen gibt es Kundalini- und Energieerfahrungen. Es müssen keine Engel im Spiel sein oder sonstige ausserordentliche Dinge. Es kann natürlich alles geschehen und je nach Philosophie und Herkunft, geschieht das Entsprechende.

Mythos: Wenn man erwacht ist, läuft man strahlend durch die Welt und überfliesst von Liebe

Das kann eine Zeit tatsächlich so sein. Viele haben aber in der Regel von aussen gesehen die gleichen Probleme wie vorher. Die Probleme werden aber anders wahrgenommen. Es gibt keine Probleme mehr, nur noch Lösungen. Alle Gefühle kommen und gehen und man kann auch spontan wütend werden oder wegen etwas ausrasten. Dies vergeht aber schnell wieder und im Hintergrund ist dieses unglaublich tiefe Gefühl von Vertrauen in alles, was passiert. Alles ist okay, so wie es ist. Ich muss nichts verändern. Es ist also nicht eine ständige Glückseligkeit und auch nicht, dass ein Erwachter ganz ohne Probleme ist. Man bezeichnet es einfach nicht mehr als Probleme. Alle Arten von Gefühlen kommen und gehen, die ganze Palette, wie Wut, Nervosität, Trauer etc. Da aber die Bewertung wegfällt, bleiben die Gefühle nur kurz und es ist wieder Ausgeglichenheit da.

Mythos: Wenn ich erleuchtet bin, dann habe ich Siddhis

Siddhis sind besondere übernatürliche Kräfte und Fähigkeiten, die man gemäss der Überlieferung durch spirituelle Praxis erlangt.

Dies ist bei allen anders. Bei manchen sind es kaum bemerkbare Fähigkeiten, bei anderen wiederum sehr eindrückliche Fähigkeiten. Bei mir waren es Hellsichtigkeit, Hellfühligkeit, stärkere Heilkraft und das Übermitteln von Einheitserfahrungen an meine Klienten. Dabei bin ich aber nicht die Handelnde, sondern es fliesst vielmehr durch mich. Ich bin auch da nur der Beobachter und der Kanal, ohne selbst etwas zu tun. Diese Fähigkeiten sind dazu da, um sie mit der Welt zu teilen und nie für eigennützige Zwecke.

Kann ich etwas tun, um zu erwachen?

Erwachen ist bei vielen plötzlich geschehen, oft bei ganz unspektakulären Tätigkeiten, wie z. B. beim Essen oder beim Gehen. Andere meditierten jahrelang, machten Yoga oder Pranayama. Erwachen geschieht unabhängig davon, was man tut. Es ist ein kleiner Klick und eigentlich braucht es nicht viel dafür. Es ist mehr ein „Rückerinnern“ an die wahre Essenz. Die Idee, irgendwo hinzukommen, ist für das Erwachen nicht förderlich. In Hingabe zu gehen, ist wichtig. Jedes Erwachen und jeder Prozess ist sehr individuell. Bei manchen geschieht das Erwachen durch eine grosse Krise oder grossem emotionalen Schmerz, was einen dazu bringt, das Ego und die Identifikation mit den eigenen Gedanken loszulassen. Bei anderen geschieht es beim Lesen eines Buches oder im Kontakt mit einem Meister. Dennoch braucht es für den letzten Schritt Gnade. Alles, was wir meiner Meinung nach tun können, ist mutig unseren Herzenswünschen zu folgen, die uns lenken. Es ist alles bereits in uns angelegt.

Transzendenzerfahrungen und die darauffolgenden Schatten

Auf jede Transzendenzerfahrung oder Erleuchtungserfahrung welcher Art auch immer, folgt eine Integrations- und Reinigungsphase. Das Licht bringt die Schatten hoch. Dies können emotional und manchmal auch körperlich sehr schwierige Phasen sein. Das ganze Weltbild wird umgebaut und losgelassen.

Daher ist es förderlich, bereits vor dem Erwachen Schattenarbeit und innere Kindheilung zu machen. Je mehr Wunden geheilt sind und je mehr Themen bereits geklärt sind, desto reibungsloser und einfacher verläuft der Erwachensprozess.

Anhaltendes Aufwachen und Vertiefung

Nach dem Erwachen ist es, gemäss meinen Lehrern, bei weitem noch nicht abgeschlossen. Der Prozess vertieft sich nach und nach. Oftmals ist der Zustand zu Beginn noch wechselnd und nicht anhaltend. Zeitweise ist man im reinen Sein, dann wieder im kleinen Ich. Es geht dann weiter in mehr Beständigkeit und in eine tiefere Entwicklung. Das dauerhafte Erwachen ist der dauerhafte Zustand in dem Gewahrsein des wahren Selbsts. Auf diesem Weg vereinnahmen wir die Welt als uns selbst. Die Erfahrung von der Welt der Formen und dem Absoluten wird vereinheitlicht. Es verschwinden Innen und Aussen. Das Wissen und die Erfahrung, was ich wirklich bin, verlässt mich in keiner Situation mehr. Es ist wesentlich, auch nach dem Erwachen aufmerksam und achtsam an der Vertiefung und Integration der Erfahrung zu arbeiten und ihr Zeit zu geben.

Wenn du Unterstützung in deinem Prozess benötigst, bin ich gerne da für dich.

Herzlichst

Sara

 

 

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